Trendwechsel: Alternative Wohnformen auch in Cuxhaven nachgefragt
Neubau eines Mehrfamilienhauses in Cuxhaven nach bisherigen Vorgaben (Foto: Grüne Cux)
Grünes Kneipengespräch "Wohnen neu denken" mit viel Resonanz
Fast 50 Interessierte kamen am 15. Januar, um mit Expertin Christina-Johanne Schröder über alternative Wohnformen für Senior*innen zu diskutieren. Das große Interesse zeigt: Das Thema trifft einen Nerv.
Frau Schröder präsentierte beeindruckende Zahlen aus der aktuellen Wohntrend-Studie 2040: Das Interesse an alternativen Wohnformen ist zwischen 2018 und 2022 regelrecht explodiert. Sagten 2018 noch 50 Prozent der Befragten "Nein" zu neuen Wohnformen, sind es 2022 nur noch 11 Prozent. "Ein echter Trend", so Schröder.
Besonders gefragt: Ökologisches Wohnen (Anstieg von 21 auf 41 Prozent), Gemeinschaftliches Wohnen (von 30 auf 36 Prozent) und Mikrowohnen wie Tiny Houses (von 5 auf 31 Prozent).
Der "Realitätscheck" zeigt jedoch ein Problem: Alleinlebende Senior*innen über 65 Jahre nutzen durchschnittlich 80 Quadratmeter – mehr als jede andere Altersgruppe. Zum Vergleich: In Vier-Personen-Haushalten stehen jeweils nur etwa 30 qm/Person zur Verfügung. "Viele ältere Menschen leben in zu großen Wohnungen, wünschen sich aber eigentlich kleinere, gemeinschaftsorientierte Lösungen", erklärte Frau Schröder.
Gemeinschaftliche Wohnformen mit weniger Quadratmetern für den individuellen Bedarf, aber eigenem Bad und eigener Küche, aber auch Gemeinschaftsräumen für verschiedene gemeinsame Aktivitäten sind eine durchaus attraktive Alternative. C.J. Schröder zeigte anhand mehrerer Projekte in Niedersachsen, dass viele Menschen zufrieden und erfolgreich zusammenleben, verschiedene Aktivitäten gemeinsam durchführen und sich gegenseitig unterstützen.
Die Rechtsformen dieser Projekte sind sehr unterschiedlich. Ob man als Genoss*innen, als Mieter*in oder als Eigentümer*in zusammenleben will, muss gut überlegt sein, wobei für viele Senior*innen die finanzielle Belastung und eine nicht ständig steigende Miete von zentraler Bedeutung sind.
Für gemeinschaftliche Wohnprojekte sind verschiedene Fördertöpfe möglich. Städte, Stadtplaner*innen, Kreditgeber*innen haben durchaus Interesse an der Umsetzung von Bauplänen mit geringerem Flächenverbrauch, zur Entlastung der Umwelt, der Pflegekassen und zur Stärkung des eigenen Images.
Kontroverse um Kosten und Verantwortung
In der lebhaften Diskussion wurden erwartbare Einwände angesprochen: Ist gemeinschaftliches Bauen nicht teurer? Der Dezernent Andreas Eickmann und Frau Schröder widerlegten dieses Vorurteil gemeinsam. Die Frage der optimalen Finanzierung – Genossenschaft oder Investoren*innen getragene Projekte mit günstigen Krediten – wurde intensiv diskutiert.
C.J. Schröder verschwieg auch nicht, dass Projekte auch scheitern oder gar nicht erst zustande kommen. Zukünftige Bewohner*innen eines gemeinschaftlichen Projektes müssen sich finden, müssen eine Gruppe bilden, im Vorfeld Regeln aufstellen, Konflikte einplanen und Lösungswege im Konfliktfall vereinbaren.
Ein Einwand aus dem Publikum: "Gemeinschaftliche Wohnprojekte anzubieten, ist für die Projektträger*innen unattraktiv, weil sie zu teuer sind und man mit ihnen als Investor*in nichts verdienen kann!" Davon war so mancher Gast überzeugt.
Cuxhavens Baudezernent Andreas Eickmann erklärte dazu: "Der Bau dieser Projekte ist nicht teurer als der Bau 'normaler' Wohnungen im Geschossbau. Die Gemeinschaftsräume werden in den Nebenkosten umgelegt auf alle und verteuern nicht die Miete." Eickmann betonte auch, dass die Stadt in dem neuen Bebauungsplan südlich Westerwischstrom Interesse daran hat, eine Entwicklung in Cuxhaven voranzutreiben, die weitere Flächenversiegelung verantwortlich und möglichst "sparsam" und energieeffizient gestaltet.

